Tatmotiv Bestätigung
Die Suche nach Bestätigung ist ein starkes psychologisches Bedürfnis. Sie gibt uns das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, und aktiviert das Belohnungssystem unseres Gehirns – selbst wenn diese Bestätigung negative Überzeugungen bestätigt. Ob das Misstrauen gegenüber Kollegen oder der Eindruck, dass „niemand meine Arbeit zu schätzen weiß“: Die Bestätigung eines negativen Weltbildes ist oft so kraftvoll, dass wir uns immer wieder in diesem Kreislauf wiederfinden. Aber warum tun wir das, und wie manifestiert sich dieser Mechanismus im Berufsleben?
Dopamin – paradoxe Belohnung für negative Sichtweisen
Dopamin, das sogenannte „Glückshormon“, spielt eine zentrale Rolle in der Bestätigungssuche. Es wird freigesetzt, wenn wir eine Handlung ausführen, die unser Gehirn als „wichtig“ ansieht – ob positiv oder negativ. Bestätigt sich beispielsweise auch nur vermeintlich unser Gefühl, dass „der Kollege sowieso nur gegen uns arbeitet“, schüttet unser Gehirn Dopamin aus, weil die Bestätigung das Gefühl von Vorhersehbarkeit und Kontrolle verstärkt. Die Belohnung ist weniger das negative Ergebnis selbst, sondern die Tatsache, dass unser Bild von der Realität bestätigt wird. Dieses psychologische Sicherheitsgefühl ist in uns tief verankert, da Vorhersehbarkeit uns ein Gefühl der Stabilität gibt – ein Verhalten, das evolutionspsychologisch in uns verankert ist.
Warum wir negative Überzeugungen bestätigen wollen
Im Arbeitsumfeld äussert sich das Bedürfnis nach Bestätigung für negative Überzeugungen häufig als Abwehrmechanismus. Wer sich etwa durch den Gedanken „ich bin hier nur ein kleines Rädchen und meine Arbeit wird nicht wertgeschätzt“ abgeschirmt hat, ist weniger anfällig für Enttäuschungen. Auf diese Weise sind wir emotional geschützt, wenn Kritik oder das Gefühl der Ablehnung auftauchen. Dieses Verhalten verstärkt sich in dynamischen, schnelllebigen Arbeitsumfeldern, wo Unsicherheit allgegenwärtig ist.
Nehmen wir das Beispiel eines Mitarbeiters, der sich sicher ist, dass seine Führungskraft ihm feindlich gegenübersteht. Wenn er dann kritische Rückmeldungen erhält, fühlt er sich bestätigt: „Das war zu erwarten. Sie sind alle gegen mich.“ So entsteht ein Kreislauf aus Bestätigung und Isolation, der in immer festeren Überzeugungen mündet und ein offenes Arbeitsklima erheblich erschwert.
Beispiele für die Bestätigung negativer Überzeugungen im Arbeitsalltag:
„Das Unternehmen denkt sowieso nur an Zahlen, nicht an uns Menschen“
Ein häufiger Gedanke in vielen modernen Unternehmen, die stark zahlengetrieben sind. Mitarbeiter, die diesen Eindruck internalisiert haben, suchen (meist unbewusst) nach Anzeichen dafür, dass das Unternehmen nur auf Effizienz und Kostensenkung setzt und soziale Belange vernachlässigt. Wenn dann tatsächlich ein Budget für ein Teamevent gestrichen wird, scheint das der finale Beweis: „Sie kümmern sich überhaupt nicht um uns.“ Das Unternehmen könnte in vielen Bereichen großartige Arbeitsbedingungen bieten – der Fokus des Mitarbeiters liegt jedoch darauf, negative Details als Bestätigung für seine Überzeugung zu nutzen.
„Meine Meinung zählt hier sowieso nichts“
In Teammeetings oder Projektdiskussionen tritt dieses Phänomen oft auf. Mitarbeiter, die davon überzeugt sind, dass ihre Stimme keine Bedeutung hat, werden oft in passiver Haltung in Besprechungen sitzen und auf das kleinste Zeichen warten, dass ihre Meinung ignoriert wird. Wird ihr Vorschlag dann nicht aufgegriffen, fühlen sie sich bestätigt und ziehen sich noch mehr zurück, oft mit dem Kommentar: „Das war klar, dass sie mich übergehen.“ Dadurch bleibt ein wertvoller Beitrag möglicherweise ungehört, und das Team verliert eine potenzielle Chance.
„In diesem Team sind alle nur auf ihren Vorteil aus“
Dieser Gedanke taucht häufig auf, wenn eine Person erlebt, dass andere Kollegen Anerkennung oder eine Belohnung erhalten, die sie selbst für sich beanspruchen. Die Person wartet regelrecht darauf, dass die Teammitglieder etwas tun, das „beweist“, dass hier jeder nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Dadurch vertieft sich der Gedanke, dass jeder auf sich selbst gestellt ist und es keinen Sinn hat, sich gegenseitig zu unterstützen oder zu vertrauen. Die Folge ist oft eine distanzierte Arbeitsbeziehung, die für das Teamklima und die Zusammenarbeit schädlich ist.
Die Tücken des Bestätigungsfehlers in der Teamdynamik
Der Bestätigungsfehler – die Tendenz, Informationen so zu interpretieren, dass sie unsere Überzeugungen stützen – führt dazu, dass wir selektiv wahrnehmen. Gerade im Arbeitskontext kann dies große Auswirkungen haben. Teams bestehen aus Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ansichten und Arbeitsstilen. Wenn ein Teammitglied eine negative Einstellung zu einem Kollegen hat, wird es verstärkt nach „Beweisen“ suchen, die diese Meinung stützen. Ein einziges missverständliches Wort oder eine unglücklich formulierte E-Mail reicht oft aus, um eine bereits bestehende negative Meinung zu bestätigen.
Dieser Filter kann die Teamdynamik nachhaltig beeinflussen. Der betroffene Mitarbeiter ist geneigt, sich in seiner Überzeugung zu festigen, dass er „anders“ oder „unerwünscht“ ist, und kommuniziert weniger offen oder arbeitet nicht mehr konstruktiv mit dem Team zusammen. Der Bestätigungsfehler führt also nicht nur zu persönlichen Frustrationen, sondern kann auch die Produktivität und das Miteinander im Team erheblich belasten.
Zwischen Bestätigung und Selbstsabotage
Letztlich bewirkt die Suche nach Bestätigung für negative Überzeugungen im Arbeitskontext eine Art unbewusste Selbstsabotage. Die Fixierung auf Negatives kann dazu führen, dass man Gelegenheiten zur Verbesserung oder zur Zusammenarbeit übersieht. Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter, der überzeugt ist, dass sein Beitrag nicht wertgeschätzt wird, könnte aufhören, sich einzubringen. Die Führungskraft interpretiert dies womöglich als Desinteresse, wodurch die Wahrnehmung von „mein Beitrag wird nicht gewürdigt“ tatsächlich Realität wird.
Fazit
Ein endloser Kreislauf?
In vielen Fällen ist die Bestätigungssuche für negative Überzeugungen ein Schutzmechanismus. Menschen fühlen sich wohler, wenn sie das Gefühl haben, ihre Umgebung verstehen und vorhersehen zu können, selbst wenn dies bedeutet, sich auf Negatives zu fokussieren. Im Arbeitsalltag führt dieser Mechanismus jedoch oft dazu, dass wir uns selbst und unsere Teams ausbremsen, statt produktiv und konstruktiv zusammenzuarbeiten. Die Anerkennung dieser Dynamik ist der erste Schritt, um zu verstehen, wie sich solche Denkweisen auf unsere Arbeit und Beziehungen im Unternehmen auswirken – auch wenn es nicht immer einfach ist, diesen Kreislauf zu durchbrechen.